Schlechte Zeiten, gute Zeiten

Gesundheit und psychische Belastungen am Arbeitsplatz durch Corona mehr und mehr im Fokus


„Gesundheit“ war schon vor Corona der wahrscheinlich häufigste Glückwunsch zum Geburtstag. Nicht selten wurde und wird er wohl auch vor allen anderen guten Wünschen genannt. Durch und „nach“ Corona zählt Gesundheit noch mehr. Für manche viel, für viele Alles. Um so gespannter durfte und darf man sein, welchen Stellenwert die Gesundheit in der Politik hat und was der Koalitionsvertrag des neuen Regierungsbündnisses in diesem Punkt verspricht. Uns interessiert dabei naturgemäß genau dieses Thema im beruflichen Zusammenhang, spezielle die psychische Gesundheit. Schließlich spielen psychische Belastungen am Arbeitsplatz eine erhebliche Rolle bei Arbeitsunfällen. Psychische Probleme sind zudem der zweithäufigste Krankheitsgrund in Deutschland. Es ist also viel gewonnen für ein Unternehmen und die Menschen darin, wenn Betriebsmedizin, Arbeitsschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung sich bestehenden und potenziellen psychischen Belastungen am Arbeitsplatz widmen.

Wir erkennen bei unserer Arbeit häufig Handlungsbedarf, aber auch schnell und gut nutzbares Potential, solche Belastungen zu reduzieren bzw. zu vermeiden.

 

Gesunde Gesellschaft, gesunde Mitarbeiter, gesunde Unternehmen. Was wird die Politik beitragen?


Laut Koalitionsvertrag werden Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz bereits als hoch eingestuft. Das Niveau soll erhalten und an Herausforderungen aus dem Wandel in der Arbeitswelt angepasst werden. Erklärter Fokus dabei ist die psychische Gesundheit. Ihr wolle man sich intensiv widmen. Das definierte Engagement klingt vielversprechend: „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützen wir bei Prävention und Umsetzung des Arbeitsschutzes.“ Als konkrete Maßnahmen zu dieser Ausrichtung werden genannt: Stärkung des betrieblichen Eingliederungsmanagements und Erarbeitung eines Mobbing-Reports.

Erfreulich ist auch zu lesen, dass eine bundesweite Aufklärungskampagne zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen gestartet werden soll. Wir sehen darin eine wesentliche Basis. Auf Situationen eingehen ist nur möglich, wenn sie wahrgenommen werden. Und das werden sie mitunter nur, wenn sich Betroffene äußern. Schamschwellen müssen aus unserer Sicht zumindest herabgesetzt werden. Missbilligungen oder Geringschätzung von Dritten sollte es möglichst gar nicht geben. Hier kommt jedem Betrieb unserer Einschätzung nach eine gesellschaftliche Führungsrolle zu. Arbeitswelten prägen. Auch der interne Nutzen ist groß. Unternehmen mit einer Problembehandlungskultur, die generell von Offenheit, Verständnis und Menschlichkeit geprägt ist, kommen zu zügigen und nachhaltigen Lösungen.

 

Geschwindigkeit, Qualität und bedarfsgerechte Kapazitäten


So lassen sich die Ziele der neuen Regierung im allgemeinen Engagement für mehr psychische Gesundheit beschreiben. Originaltext Koalitionsvertrag:

„Wir reformieren die psychotherapeutische Bedarfsplanung, um Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz, insbesondere für Kinder- und Jugendliche, aber auch in ländlichen und strukturschwachen Gebieten deutlich zu reduzieren. Wir verbessern die ambulante 
psychotherapeutische Versorgung insbesondere für Patienten mit schweren und komplexen 
Erkrankungen und stellen den Zugang zu ambulanten Komplexleistungen sicher. Die Kapazitäten bauen wir bedarfsgerecht, passgenau und stärker koordiniert aus. Im stationären Bereich sorgen wir für eine leitliniengerechte psychotherapeutische Versorgung und eine bedarfsgerechte Personalausstattung. Die psychiatrische Notfall- und Krisenversorgung bauen wir flächendeckend aus.“

Das klingt nach viel und gründlich. Die Effekte für die Arbeitswelt liegen auf der Hand. Mitarbeiter: innen, die schneller, umfassender und gegebenenfalls gezielter behandelt werden, sind schneller und nachhaltiger wieder arbeitsfähig. Noch besser: Vorbeugende Maßnahmen, die psychische Gesundheit erhalten. Am Anfang steht die Psychische Gefährdungsbeurteilung. Hier sehen wir in der Praxis immer wieder, dass psychische Gefährdungen nicht selten über lange Zeiträume im Verborgenen schlummern (Burnout, Mobbing, Sick Building Syndrom). Auch dann können wir diesen Gefährdungen mit unserer Arbeit gut entgegenwirken und sie in vielen Fällen vollständig abbauen. Noch besser: Wenn wir durch Präventionsmaßnahmen dazu beitragen dürfen, die Probleme erst gar nicht entstehen zu lassen. Da wir die Beeinträchtigungen kennen, die psychische Belastungen von Arbeitnehmer: innen für einen Betrieb darstellen, messen wir optimierten Hilfen von Staatsseite viel Bedeutung zu. Sie sind ein Segen für jeden Betroffenen und zugleich – wie unsere Leistungen auch – ein Wirtschaft fördernder Faktor


Auf Pläne folgen Schritte? Optimismus angemessen.


Man kann guter Dinge sein, dass die Erklärungen im Koalitionsvertrag zu konkreten Konzepten und deren Umsetzung führen. Corona hat uns alle grundsätzlich stärker sensibilisiert für das Thema Gesundheit und die Bedeutung der Psyche. So sagte Jens Spahn vor zwei Jahren „Nicht nur eine Infektion selbst kann krank machen, sondern auch die Sorge davor.“ Wen würde das nicht daran „erinnern“, dass Sorgen und Kummer grundsätzlich krank machen können, welcher Art auch immer sie sind.

Zudem war psychische Gesundheit schon vor der neuen Regierungsbildung Gegenstand politischer Initiativen. Im Januar 2021 trat das viel diskutierte „Gesetz zur Verbesserung des Vollzugs im Arbeitsschutz“ – kurz Arbeitsschutzkontrollgesetz (ArbSchKG) – in Kraft. Hubertus Heil, der aktuelle Minister für Arbeit, begründete es schon 2020 auch mit den hohen Ausfallzeiten durch psychische Erkrankungen und der vielen Zeit, die Menschen an ihrem Arbeitsplatz verbringen. Heil sprach vom „schmalen Grat zwischen Belastung und Überlastung.“ 

Neben dem Arbeitsschutzkontrollgesetz zeugt die 2020 gestartete „Offensive psychische Gesundheit“ vom Stellenwert des Themas auf der Ebene Politik. Die Offensive ist eine gemeinsame Initiative gleich dreier Ministerien:  das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Hinzu kommen zentrale Akteurinnen und Akteuren aus dem Bereich der Prävention.

Franziska Giffey 2020: „Mit der Offensive Psychische Gesundheit wollen wir eine gesellschaftliche Debatte anstoßen und dazu beitragen, dass offener über psychische Belastungen gesprochen wird. Für eine bessere Prävention machen wir mit der Offensive die Vielzahl von guten Beratungsangeboten, die es gibt, bekannter …“
Die Offensive Psychische Gesundheit umfasst noch einige weitere Maßnahmen, wie die Förderung von Baumaßnahmen in den Kurkliniken des Müttergenesungswerks, Mehrgenerationenhäuser sowie Programme gegen Einsamkeit.

Angesichts dieses früheren Engagements und guten Vorsätzen der neuen Regierung liegt ein förderlicher Nebeneffekt nahe: Starke Inspiration für Entscheidungsträger zu vorbildlichem Arbeitsschutz mit starkem Blick auf die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz.

Das könnte die Arbeitswelt weiter humanisieren. Vielleicht so, wie Prof. Dr. Hannes Zacher, Arbeitspsychologe der Universität Leipzig, es gegenüber der Leipziger Zeitung (Artikel: Leipziger Studie zu Auswirkungen der Corona-Einschränkungen: Herausforderung, Bedrohung oder Ärgernis; 8. Januar 2022, https://www.l-iz.de/bildung/forschung/2022/01/leipziger-studie-zu-auswirkungen-der-corona-einschraenkungen-herausforderung-bedrohung-oder-aergernis-428307)

beschrieben hat: „Arbeit muss zukünftig stärker an menschliche Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenzerleben und sozialer Eingebundenheit gestaltet werden.“ Zacher berief sich bei diesem Statement auf eine Kündigungswelle in den USA. Dort wollen viele Beschäftigte nicht mehr unter belastenden Bedingungen arbeiten, wie beispielsweise in lauten Großraumbüros.

Unternehmen, die nicht auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter/-innen eingehen, könnten auch hierzulande Personalprobleme bekommen. Immer mehr Beschäftigte, so Zacherl, legten zunehmend Wert auf Flexibilität, sinnvolle und herausfordernde Arbeitsaufgaben und Unterstützung durch Kolleg/-innen und Vorgesetze.

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